Brandschutz

 

Für den Brandschutz war einst die Bürgerschaft selbst verantwortlich. Bei der Erteilung des Bürgerrechts, musste jeder Interessent neben der Aufnahmegebühr einen ledernen Wassereimer kaufen und nachweisen. Letzteres unterblieb oftmals, was vor allem im 18. Jahrhundert von den oberen Behörden immer wieder moniert wurde. Für den vorbeugenden Brandschutz sorgten die Kaminkehrer, die einmal jährlich die Feuerstätten kontrollierten. An der Wende zum Königreich regelte die Allgemeine Feuerordnung für das Kurfürstentum Bayern vom 30. März 1791 das Nähere. Demnach hatten zum Beispiel Märkte Wasserspritzen, lederne Feuereimer, Feuerhaken und Feuerleitern bereitzuhalten. Diese wurden meist in hölzernen Schuppen untergebracht, den Vorläufern der späteren Feuerwehrgerätehäusern. Die Bevölkerung wurde in mehrere Rotten eingeteilt und diese Pflichtfeuerwehr sollte viermal im Jahr üben.

Im Markt Neukirchen-Balbini wurde der Brandschutz trotz großer Feuersbrünste aber vernachlässigt, wie aus einem Bericht des Landrichters nach dem Großbrand von anno 1797 hervorgeht. Im Rathaus wurden nur zwei lederne Feuereimer aufbewahrt, Feuerhaken und Leitern waren Fehlanzeige. Die Kritik des Landrichters zeigte offenbar Wirkung, denn in der Marktkammerrechnung von 1807 werden beim Gemeindeinventar vier Feuerhaken, drei Gabeln, zwei Feuereimer und vier Leitern aufgeführt; außerdem sind Ausgaben für eine Dachdeckung für den Unterstand registriert, wo Leiter und Gabeln liegen. 1843/44 verzeichnet die Kammerrechnung die Anschaffung von vier neuen Feuerhaken und von zwei Feuergabeln.

1863 hatte der Neunburger Magistrat beschlossen, seine schwarze Löschmaschine, die er 1848 vom Berg- und Hüttenamt Bodenwöhr gekauft hatte, an den Distrikt zu veräußern. Stationiert wurde das Gerät in Neukirchen-Balbini, damit von dort im Brandfall in der Umgebung Hilfe geleistet werden könne. In der Kammerrechnung von 1866/67 sind Ausgaben für die Herstellung einer Räumlichkeit für die Feuerlöschrequisiten im Kommunbrauhaus aufgeführt; diese war mehr oder minder ein Holzverschlag am Brauhaus zur Fronauerstraße gelegen. 1867 listete Bürgermeister Johann Probst in einem Schreiben an das Bezirksamt die vorhandenen Löschrequisiten auf: die von Neunburg erhaltene fahrbare Spritze, eine Hand-Feuerspritze, zwei Leitern (derzeit aufbewahrt im Kommunbrauhaus), acht Feuerhacken (aufbewahrt beim Schuhmacher Johann Mayer, Hsnr. 63). Zudem befänden sich in jedem Haus mindestens zwei hölzerne Eimer.

1870 berichtete die Gendarmerie Cham an das Bezirksamt Neunburg, dass die Neukirchner Spritze ruinös und nicht funktionsfähig sei. Das Bezirksamt forderte den Markt auf, die Spritze sofort reparieren zu lassen. In seinem Antwortschreiben, weist Bürgermeister Probst daraufhin, dass die Spritze schon seit ihrer Ankunft aus Neunburg in diesem Zustande sei. Das Bezirksamt Neunburg beauftragte den Vorsitzenden der Neunburger Feuerwehr, die Spritze zu begutachten. Dabei kam heraus, dass diese in einem guten Zustand sei, sie müsse nur von Zeit zur Zeit gereinigt werden. Für diese Überprüfung empfahl er den Büchsenmacher Dobner aus Neunburg. Nach der Generalüberholung musste die Spritze auf Anordnung des Bezirksamtes alle zwei Monate ausprobiert werden. Eine Gemeindevisitation im Jahre 1874 ergab, dass die Requisiten in einem verkommenden und unbrauchbaren Zustand seien, eine organisierte Feuerwehr bestehe nicht. Die wenigen vorhandenen Feuerleitern seien faul und morsch, Feuerhacken seien überhaupt nicht zu entdecken. Die alte, große Feuerspritze sei voll Staub und Schmutz und derart verrostet, dass eine Reparatur sinnlos sei. Das Bezirksamt zog das Fazit, dass das Feuerlöschwesen in Neukirchen-Balbini „kein Gegenstand der Fürsorge und der Tätigkeit der dortigen Gemeindeverwaltung bildet“. Darauf beschloss der arg gescholtene Gemeinderat am 29. September 1874, eine vierrädrige Feuerlöschmaschine anzuschaffen; die Finanzierung erfolgte im Umlageverfahren und auf Raten. Die Wahl fiel auf ein Gerät der Firma Kirchmaier in München, das 918,59 Mark kostete. Am 27. Dezember 1875 konnte die Löschmaschine  am Bahnhof in Bodenwöhr abgeholt werden und sie wurde in Räumlichkeiten des Posthalters untergebracht.

Bei der Gemeindevisitation im Juni 1876 monierte das Bezirksamt Neunburg, dass die neue Feuerlöschmaschine sehr weit vom Ort aufbewahrt werde und zwar um ganz isoliert stehenden Kemmitzer-Stadl. Beim Löschrequisitenhäuschen sei die Bedachung ruinös; innen sei es sehr feucht, weil es den Dämpfen des Brauhauses ausgesetzt sei. Die Gemeinde ließ die Bedachung reparieren und neue Fußbodendielen legen. Im August 1876 gab es dagegen großes Lob von Bezirksamtmann Arnold für die Neukirchner Pflichtfeuerwehr, weil sie sich mit den anderen Wehren beim großen Vorstadtbrand in Neunburg am 7. August „in hervorragender Weise durch umsichtige und ausdauernde Hilfeleistung bei der Bewältigung des Feuers mitgewirkt“ habe. Brauereibesitzer Michael Frank setzte sogar eine eigene Dankadresse in das Neunburger Amtsblatt:  „Besonders hat sich die Bürgerschaft von Neukirchen-Balbini um die Rettung meines Hauses verdient gemacht. Darum ihr lieben Männer nehmet auf diesem Weg meinen Dank, meinen herzlichsten Dank mit dem Wunsche, Gott möge Euch vor ähnlichem Unglücke bewahren.“ Wenige Tage später wurde am 13. August 1876 eine freiwillige Feuerwehr gegründet. Drei Jahre später verlangte das Bezirksamt die Anschaffung von wenigstens 100 Metern Feuerwehrschläuchen.

1880 besaß die Gemeinde folgende Löschrequisiten und Ausrüstungsgegenstände: eine vierrädrige Löschmaschine, 32 Gurte, zwei Karabiner, zwei Doppeltonhupen, 32 Zinkhelme, sechs Seidenbüsche, zwei Steigerlaternen, 64 Achselschnüre, zwei Leitern. 1889 war die Wehr bei einem Brand in Meidenried gefordert. Im Beschlussbuch des Gemeinderates ist unter dem 7. Mai 1891 festgehalten, dass laut einer Verfügung der Bezirksfeuerwehrversammlung jedem bei einem Brandeinsatz tätigen Feuerwehrmann ein Liter Bier und ein Brot zu verabreichen ist. Am 20. Juli 1891 war die FFW beim Brand der Schmalzlmühle in der Wassergasse Neunburg tatkräftig im Einsatz. 1894 lehnte der Gemeinderat die Anschaffung von weiteren 90 Metern Haut-Schläuchen für die FFW-Spritze ab, weil der Druck nicht ausreiche, das Wasser weiter zu treiben, hieß es in der Begründung. 90 Meter Schläuche waren vorhanden. 1895 wurde die Wehr zu einem Brand in Zeitlarn (Braun und Bösl) alarmiert. 1898 erhielt der Schlosser Anton Schießl in Neunburg sieben Mark aus der Gemeindekasse für die Reparatur der Feuerspritze. Im gleichen Jahr half die Neukirchner Wehr bei den Löscharbeiten beim Brand der Bernmühle (Bauer).1900 genehmigte der Gemeinderat den Kauf von 100 Metern Hanf-Schläuchen für die Feuerspritze bei der Firma Seybold in Regensburg. 1903/04 kaufte die Gemeinde eine neue Löschmaschine von der Nürnberger Feuerlöschgeräte- und Maschinenfabrik; diese existiert heute noch. Diese kam im Juli 1904 bei einem größeren Brand in Diendorf wohl zum ersten Mal zum Einsatz. 1910 wurde ein neues, zehn Meter langes und 3,5 Meter breites Gerätehaus in Holzbauweise an alter Stelle errichtet. 1919 schaffte der Markt eine fahrbare Feuerwehrleiter für 860 Mark an; zur Finanzierung nahm die Gemeinde ein Darlehen beim Raiffeisenverein Neukirchen-Balbini in Höhe von 500 Mark auf. Am 17. August 1925 brannten die Scheunen von Kiener und Schart am „Etzenberg“; die Wirte Anton Kraus und Franz Decker schenkten nach den Löscharbeiten Bier an die Feuerwehrmänner aus und verköstigten sie – allerdings ohne Genehmigung der Gemeinde, die folgedessen nur einen Teil der Kosten (57 RM für Kraus und 284 RM für  Decker)  beglich.1929 schaffte die Gemeinde 50 Meter Schläuche, eine Steigleiter mit Stützstangen (sieben Meter) und zehn Lederhelme für die FFW an. 1930 heißt es im Beschlussbuch des Marktrates, dass die Gemeinde zwei gute Spritzen besitze. Im Dezember 1933 bestellte die Gemeinde 13 neue Feuerwehrhelme und im Mai 1935 100 Meter Schläuche. Seit 1926 bemühte sich der Markt um den Neubau eines Gerätehauses. Als 1937 das baufällige Kommunbrauhaus abgerissen werden musste, ergab sich eine günstige Gelegenheit, auf dem freien Platz einen Neubau zu erstellen. Der Kostenvoranschlag von Maurermeister Johann Thanner für das Gebäude, in dem auch die Gemeindekanzlei untergebracht wurde, belief sich auf 9320 Mark. Im Mai 1939 war der Rohbau fertig. Die Pläne stammten von Steinmetz Benno Eder aus Neunburg. 1943 beschließt der Gemeinderat die Beschaffung einer Kraftspritze auf einem Einachsanhänger.  Ein von der Wehrmacht bei Kriegsende zurückgelassenes Löschfahrzeug ging in den Besitz der Gemeinde über, sie musste allerdings 2031,75 Mark dafür bezahlen. Das Fahrzeug, ein LF 16, wurde bis 1968 eingesetzt.

Am 14. Juni 1951 führt der Gemeinderat auf Antrag  der FFW eine Feuerschutzabgabe ein. 1954 beschließt das Gremium, neben dem FFW-Haus eine Löschwasserreserve zu errichten.1956 wird eine neue Sirene auf dem Dach der Schule angebracht.1968 investierte die Gemeinde 44 000 Mark in den Kauf eines neuen Löschfahrzeuges LF 8. 1990 wurde mit dem Bau eines neuen und größeren Feuerwehrhauses begonnen. Bauplatz war das Gelände des ehemaligen Lagerhauses an der Staatsstraße neben dem Kindergarten. Das Gebäude erhielt 1991 den kirchlichen Segen. Zwei Jahre später freute sich die Wehr über ein neues Einsatzfahrzeug, ein LF 8/6. Den Fuhrpark komplettiert ein Mehrzweckfahrzeug, das 2010 in Dienst gestellt worden ist.